Vielleicht werden einige von Euch jetzt denken: „Recht, wie langweilig“, aber gerade das Thema Aufsichtspflicht ist interessant und für Eure Jugendgruppenarbeit wichtig. Denn nur wenn Ihr wisst, was genau darunter zu verstehen ist, könnt Ihr einschätzen, ob Ihr richtig handelt oder nicht.

    Im BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) § 832 steht dazu: „Wer kraft Gesetzes zur Führung der Aufsicht über eine (minderjährige) Person verpflichtet ist, (...) ist zum Ersatz des Schadens verpflichtet, den diese Person einem Dritten widerrechtlich zufügt...“. Das betrifft auch Euch, da Ihr z.B., in Euren Gruppenstunden für diese Zeit die Aufsichtspflicht habt, und somit für strafbares Verhalten Eurer Gruppenmitglieder haftbar gemacht werden könnt!

    Das klingt ganz schön hart, aber zum Glück geht der Satz im BGB ja noch weiter: „...Die Ersatzpflicht tritt nicht ein, wenn er (in diesem Falle Ihr) seiner Aufsichtspflicht genügt oder wenn der Schaden auch bei gehöriger Aufsichtsführung entstanden sein würde.“ Doch wann genügt man seiner Aufsichtspflicht, werdet Ihr Euch jetzt (zu Recht) fragen.

    Grundregeln:

    1. Eure Pflicht ist es, dafür zu sorgen, dass die Jugendlichen weder Schaden erleiden, noch Dritten (oder Sachen) Schaden zufügen. Das ist jetzt sicherlich sehr theoretisch und manchmal nur schwer zu realisieren. Falls doch etwas passiert, könnt Ihr Euch rechtlich absichern, wenn Ihr in etwa folgendermaßen handelt:
    2. In Situationen, die gefährlich werden könnten, Eure Mitglieder warnen und belehren. Ihr müsst dabei sichergehen, dass Euch auch jede/r gehört und auch verstanden hat.
    3. Der nächste Schritt ist dann, dass Ihr Eure Leute überwacht, d.h. beobachtet, ob sie sich an Eure Anweisungen auch halten. Ihr müsst sie jetzt natürlich nicht verfolgen, aber Euch je nach Situation überzeugen, dass sie nicht genau das tun, was sie nicht sollen.
    4. Ist dies doch der Fall, müsst Ihr eingreifen, wenn es Euch notwendig erscheint. Ihr habt dabei natürlich einen gewissen Handlungsspielraum. Im Einzelfall liegt es an Euch abzuwägen, in wie weit Ihr eingreift. Das ist abhängig von der Gefährlichkeit der Situation, dem Alter der Teilnehmer.... Aber es ist gut, die oben genannten Punkte im Hinterkopf zu haben, und nach Gefahrenquellen Ausschau zu halten.

     

    Besonders aufmerksam muss man bei erlebnispädagogischen Angeboten sein. Es ist z.B. wichtig, einen Fluss, auf dem man Kajak fahren möchte, vorher persönlich abzugehen, oder jemanden zu befragen, der dort selbst schon mal gefahren ist. Sonst kann es passieren, dass man z.B. von Wehren, die auf älteren Karten noch nicht eingezeichnet sind, überrascht wird.... Auf jeden Fall ist es wichtig, dass Ihr die schriftliche Einwilligung der Eltern bei solchen Unternehmungen, die mit besonderen Gefahren verbunden sind, vorher einholt.

     

    Weitere wichtige Punkte zum Thema Aufsichtspflicht wären z.B. das Jugendschutzgesetz, Einverständniserklärungen bei Fahrten, Verhalten im Straßenverkehr u.v.a.m. Leider kann hier nicht auf alle Details eingegangen werden. Solltet Ihr jedoch Fragen haben oder in bestimmten Punkten unsicher sein, so sind die Mitarbeiter im SJR jederzeit bereit, Euch zu helfen.   

    Siehe auch http://www.aufsichtspflicht.de